Opinion

Der ewige Jude

Rapper fanden es in den letzten Jahren immer wieder edgy, in punkto Nahostkonflikt die Partei für Palästina zu ergreifen.

Der Grund ist leicht gefunden: Facebook  und Youtube befeuern die Dinge mit endlosen Massen an Propagandamaterial, die sich ,,Knechteltilmänner” zusammenpuzzlen können um den absoluten Plan zu haben und auf der nächsten Party wie der nächste Ché Guevara dazustehen. Das diese Theorien auf der Straße weit verbreitet sind, wundert dabei natürlich auch nicht.

Nach wie vor kommt Hiphop von der Straße

Ben Salomos Aufgabe des Rap-Formats ,,Rap Am Mittwoch‘‘ spricht in der Sache für sich.

Aber es gibt noch jüdische Rapper in Deutschland, die nicht aufgegeben haben.

Ich darf ihnen vorstellen:  Sion Ben Israel

Derzeit findet man von Sion Ben Israel die Titel  : Erez Israel, Last Am Standing, RealTalk, KravMaga, und Seder Olami  vom Release ,,Orthodox‘‘ sowie die Single Hatikvah auf Deezer,  Googleplay, Youtube und Vimeo. Dort präsentiert er unter anderem unterfüttert mit Inhalten aus religiösen Schriften wie der Torah und dem Talmud, die jüdische Sicht auf Gesellschaftliche Probleme, Antisemitismus in der Gesellschaft und der Rapszene. Auf seinem Internetauftritt charakterisiert Sion seine Musik als Kombination aus Judentum, der Liebe zum jüdischen Volk und zum Staat Israel.

 In ,,Krav Maga‘‘  belegen authentische Interviews die Erfahrungen von jüdischen Menschen mit Antisemitismus in Deutschland. Viele die solche Erfahrungen machen, reagieren indem sie ihre Identität verbergen.  Nicht so Sion. Sions Antwort ist Stärke beweisen. Während der Otto-Normal-Gangsterrapper seinen Rücken mit seiner Gang-Affiliation oder Familienzugehörigkeit begründet, verweist Sion klar ironisch auf den Mossad. Weiterhin heißt es: ,, Meine Flagge wird gehisst. Israel wir sind King‘‘. In Zivilistensprache übersetzt: ,,Ich verstecke mich nicht, ich represente und bin stolz!‘‘

In,,Seder Olami‘‘ stellt Sion die Realität — ,,Zeit wird zur Währung, die Nahrung wird knapp‘‘–  mit seiner Idealvorstellung einer  besseren Welt  (keine Armut, Bildung, Moral, Gerechtigkeit für die Kurden, kein Antisemitismus) gegenüber.

In ,,Mizrachi‘‘ deutet Sion die Geschichte seiner Vorfahren, vor allem der Flucht seiner Eltern wegen der Islamischen Revolution und die von Hisbollah und Mullahregime begangenen Kriegsverbrechen an.  So heißt es unter anderem ,,Wir mussten fliehen vor den Basij‘‘ und ,,Die Hisbollah kettet Kinder mit den Füßen ans Heck der Jeeps und fährt durch die Wüste‘‘.

In ,,Erez Israel‘‘ verarbeitet Sion die Eindrücke von Flucht ,,die Flucht war gefährlich, ich rieche bis heute noch den Duft der Verderbnis‘‘ und dem Schmerz des Lebens in der Fremde. In der Diaspora. Im Exil. Aber in Hoffnung ,,Warten auf Moshiach!‘‘

Aber auch zum Nahostkonflikt nimmt Sion Stellung.

So heißt es im Lied ,,RealTalk‘‘ zum Beispiel : ,,[…]in Gaza sterben Menschen, ja das ist richtig. Doch nicht durch uns sondern durch Islamisten‘‘, und ,, [..] wenn Gaza ein Freiluftgefängnis ist, sag warum macht Ägypten nicht die Grenze auf?‘‘

Bei düsterem Rap darf natürlich auch Säbelrasseln nicht fehlen. Das liefert Sion treffsicher in ,,Last Am Standing‘‘. Aber davon könnt ihr euch selbst überzeugen!

Orthodox klingt größtenteils melancholisch bis düster und immer kämpferisch.

Dafür sind die Produzenten Chuki, Ben Maker, Coalt Art, Khazar und Shinzo verantwortlich.

Bereits zu Beginn war Sion einer großen Hatewelle in den Kommentaren auf YouTube ausgesetzt.

Dies führte soweit, dass YouTube schlussendlich seinen Kanal sperrte, anstatt die Aggressoren selbst zu verbannen. Kurz vor der Kanalsperrung präsentierte Sion seinen neusten Streich „Der Ewige Jude“ (auf Vimeo zu finden). Dort beschreibt er in eindeutig ironischer Art die gängigen, in der breiten Gesellschaft herrschenden Verschwörungstheorien. Dabei bedient er sich in humoristischer Weise den damit verbundenen Terminologien, welche in antisemitische Pamphlete und Agitiationen Einzug gefunden haben.

“Der Ewige Jude”

,,Der ewige Jude ” stellt dabei zudem in visueller Weise die von Verschwörungsideologen erfundenen zionistischen Kongresse nach, auf denen angeblich der Plan zur Übernahme der Weltherrschaft durch eine kleine elitäre Gruppe geschmiedet wurde. Das wohl verheerendste antisemitische Machwerk “Die Protokolle der Weisen von Zion”, welches zur Verfolgung und Ermordung mehrerer Millionen Menschen geführt hat, ist ideologisch leider immer noch tief in der Gesellschaft verankert.
Fest steht: Das Stück “Der ewige Jude” ist in seiner Gänze ironisch zu verstehen und eine Illusion, der Antisemitismus in der Gesellschaft ist jedoch real.

 

Seinen Stil beschreibt Sion Ben Israel als ,,Anti-Rap aus dem Hörsaal für Nicht-Raphörer unter Einbezug eines wissenschaftlich erforschten Rap-ideologischen Methodenkanon und Zuhilfenahme von Axiomen und Fundamentalsätzen bei Einhaltung mathematischer Strenge‘‘.

Um das zu überprüfen bräuchte ich aber mindestens ein paar Infografiken und eine Formelsammlung. Ist aber auch nicht nötig, der Rap ist stabil.